Jazz auf den Gipfeln des Pirin Gebirges
Was kann schon auf einer zweiwöchigen Orchesterreise in Bulgarien passieren?
Wie sich herausstellte, außergewöhnlich viel. Wenn vom Aramis Orchester die Rede ist, dann mit Garantie auf ein Spektakel. Bei der Aussage „wir müssen einen Kontrabass nahezu 1000 Höhenmeter auf einen Berg bringen" kratzt man sich etwas unwissend am Kopf und am Ende steht man vor einem fünfköpfigen Ensemble mit Schlagzeug, Trompete, Saxophon, Posaune und besagtem Kontrabass auf dem zweithöchsten Berg in Bulgarien. Zwei Wochen, die vor Programm nur so strotzen. Es ist schon für sich eine logistische Meisterleistung, alle Instrumente mit über vierzig Personen aus der ganzen Welt nach Bansko in Bulgarien zu bringen. Dazu kommt dann, innerhalb von zwei Wochen zwei Berge mit Jazz-Ensemble zu besteigen, mit dreißigköpfiger Besetzung Proben zu organisieren und darunter noch einen Abstecher nach Griechenland zu unternehmen. Ganz nach dem Motto: Ein bisschen Urlaub muss schließlich auch sein. Zwischen all dem findet parallel zu den laufenden Proben noch die Aushandlung mit der lokalen Politik um Veranstaltungsorte, Proberäume und mediale Aufarbeitung statt.
Zwei Fragen: Was hat das mit Moderation zu tun, und was genau mache ich auf einer Orchesterreise? Anfänglich als organisatorische Unterstützung für das Orchester vor Ort eingeplant, bin ich letzten Endes doch als Amateurperkussionist eingesprungen. In der Moderation geht es um die Kunst, einen Rahmen zu schaffen, in dem etwas entstehen kann, das vorher nicht absehbar ist. Das ist ziemlich herausfordernd, wenn gleichzeitig gilt, die Kontrolle über alles zu behalten. Das Aramis Orchester zeigt eindrücklicher als alle anderen Organisationen, was durch dieses Prinzip entstehen kann. Ich habe viel gelernt, wie man sich im Grenzbereich des Unplanbaren aufhält und dennoch die Kontrolle über das Geschehen behält. Voraussetzung für diesen Spagat ist, dass alle an die gleiche Idee glauben und sich darauf einlassen. Ich durfte während dieser Reise ganz viele tolle Menschen kennenlernen und habe nicht nur etwas für meinen Moderationsweg gelernt, sondern auch, wie man als Perkussionist Noten zu lesen hat.